Politische Fehlentscheidung – einigen Jägern zuliebe?

CDU und FDP wollen weitere geschützte Tierarten dem Jagdrecht unterstellen

Mit scharfer Kritik reagiert der NABU Sachsen auf die am Samstag (LVZ, Seite 4) bekannt gewordene Entscheidung von FDP und CDU, der Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht zuzustimmen. „Es ist von einem Kompromiss die Rede“, so Bernd Heinitz, Vorsitzender des NABU Sachsen, „und Tino Günther von der FDP versichert, dass es für den Wolf ‚einen ganz besonderen Schutzstatus‘ geben wird. Das ist Augenauswischerei. Der Wolf wird nach sächsischem, bundesdeutschem und europäischem Recht streng geschützt; einen höheren Schutzstatus gibt es und braucht es nicht. Und auch von der Möglichkeit eines Kompromisses zu sprechen, erscheint uns unsinnig. Hier geht es um die Frage, ob der Wolf und andere geschützte Tierarten ins Jagdrecht gehören oder nicht. Und da kann die Antwort nur ja oder nein sein.“Der NABU und andere Naturschutzvereine (nicht nur aus Sachsen), viele Jäger, Politiker, Rechtsexperten, Vertreter von Behörden, zahlreiche andere Bürger sind der Meinung, dass die uralte Liste der jagdbaren Tierarten, in der immer noch zahlreiche streng geschützte stehen, endlich bereinigt werden muss anstatt sie mit weiteren geschützten Arten zu verlängern. Und noch im März 2012, während ihres Parteitages, hat sich die FDP gegen eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht ausgesprochen und dabei gute Begründungen vorgebracht, die der NABU nur unterstreichen kann.

Bernd Heinitz: „Über alle Argumente gegen eine Aufnahme (streng) geschützter Tierarten ins Jagdrecht gehen die Politiker von CDU und FDP, die sich jetzt auf einen ‚Kompromiss‘ geeinigt haben, unbedenklich hinweg. Man setzt sich nicht damit auseinander, man ignoriert sie einfach. Allerdings dürfte die Gegenargumentation auch schwierig sein, denn es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, streng geschützte Tierarten wie Luchs, Wolf, Biber, Seeadler usw. zusätzlich zum Naturschutzrecht noch einem Gesetz zu unterstellen, das dazu da ist, die Jagd zu regeln.“

Von den verschiedensten kompetenten Seiten wurde immer und immer wieder gesagt: Eine solche Doppelunterstellung wird mit Sicherheit kontraproduktiv sein, einen erheblichen bürokratischen Aufwand nötig machen, den Artenschutz behindern und nicht im Interesse aller Jäger liegen. Deshalb steht der Wolf in anderen Bundesländern nicht im Jagdrecht. Zudem ist der Umgang mit den Wölfen in Sachsen mit dem Managementplan des Umweltministeriums ausgezeichnet geregelt. An seiner Umsetzung können die Jäger, falls sie tatsächlich am Schutz des Wolfes interessiert sind, wie alle anderen Naturschutzverbände engagiert mitwirken.

Bernd Heinitz: „Aus all dem lässt sich eigentlich nur der Schluss ziehen, dass man hinsichtlich der Aufnahme geschützter Tiere ins Jagdrecht keine Sachentscheidung treffen, sondern dem Wunsch einer kleinen Gruppe von Jägern folgen will. Deren Lobby ist offenbar stärker als diejenigen, die bereit sind, sich von sachlichen Gründen leiten zu lassen. Leider handelt es sich im vorliegenden Fall nicht nur um eine einzelne Fehlentscheidung, es wird eine Haltung deutlich, die nicht von Verantwortung für die Natur zeugt. Im FDP-Parteitagsbeschluss hieß es: ‚Viele Menschen empfinden die Aufnahme von geschützten Tieren in die Jagdverordnung als einen Rückschritt im Natur- und Artenschutz, der zu einem zeitgemäßen Umgang mit Tier und Umwelt im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr passt.‘ Bei diesem Standpunkt hätte die FDP – im Interesse ihrer Glaubwürdigkeit – bleiben sollen.“




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