Mehr als 8000 Proteste gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht

NABU übergab Unterschriftensammlung an den Landtagspräsidenten
Übergabe der mehr als 8000 Proteste gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht an Dr. Matthias Rößler.
Übergabe der mehr als 8000 Proteste gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht an Dr. Matthias Rößler.
Foto: Ina Ebert

Leipzig, 14. März 2012. Der Vorsitzende des NABU Sachsen, Bernd Heinitz, hat am heutigen Vormittag dem Landtagspräsidenten, Dr. Matthias Rößler, das Ergebnis einer Unterschriftensammlung des NABU Sachsen übergeben. Mehr als 8000 Proteste gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht sind beim NABU eingegangen, sie kamen nicht nur aus Sachsen, sondern auch aus anderen Bundesländern und sogar aus Norwegen, Finnland, Dänemark, Belgien, Frankreich, Österreich, der Schweiz, aus Tschechien, Bulgarien, Spanien, Ungarn, Griechenland, Serbien, aus der Türkei, den USA und aus Südafrika.Den NABU vertraten neben dem Vorsitzenden des sächsischen Landesverbandes auch Markus Bathen (NABU-Bundesverband), Olaf Buschmann (NABU Oldenburg), Lutz Runge (Jäger und Mitglied des NABU-Regionalverbandes „Großenhainer Pflege“) und Ina Ebert von der Landesgeschäftsstelle. Dr. Matthias Rößler wurde begleitet von Tino Günther, Vorsitzender des Petitionsausschusses des Landtags.

Die Unterschriftenaktion unter dem ironischen Slogan „Bananen ins Jagdrecht“ hatte der NABU Sachsen im März 2011 gestartet. Er reagierte damit auf die Forderung des sächsischen Landesjagdverbandes, unter anderen Biber, Seeadler und auch den Wolf im Zuge der Novellierung des sächsischen Jagdgesetzes dem Jagdrecht zu unterstellen.

Bernd Heinitz zum Anliegen der Aktion: „Wir wollten signalisieren, dass wir die antiquierte Liste der dem Jagdrecht unterliegenden Tierarten für fragwürdig und die Aufnahme weiterer streng geschützter Arten ins Jagdrecht für absurd halten. Schließlich handelt es sich um ein Gesetz, das dazu da ist, die Jagd zu regeln. Deshalb baten wir alle Naturschutzfreunde um Unterstützung der Forderung, geschützte Arten allein dem Naturschutzrecht zu unterstellen.“

Jetzt steht die Novellierung des sächsischen Jagdgesetzes vor der Tür und damit auch die Entscheidung über Wolf und Co. Der NABU und andere Naturschutzvereine (nicht nur aus Sachsen), zahlreiche Jäger und andere Bürger, Rechtsexperten, Behördenvertreter und Politiker, darunter viele Landtagsabgeordnete, auch aus der Koalition, sind der Meinung, dass die uralte Liste der jagdbaren Tierarten, zu denen immer noch streng geschützte gehören, endlich bereinigt werden muss anstatt sie zu erweitern. „Denn“, so Naturschützer und Jäger Lutz Runge, „es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, streng geschützte Tierarten wie Luchs, Wolf usw. zusätzlich zum Naturschutzrecht noch dem Jagdrecht zu unterstellen. Eine solche Doppelunterstellung ist kontraproduktiv, behindert den Artenschutz und liegt mit Sicherheit auch nicht im Interesse aller Jäger. (Deshalb ist der Wolf in anderen Bundesländern nicht im Jagdrecht erfasst.) Der Wunsch von Minister Kupfer, die Jäger in den Wolfsschutz einzubeziehen, ist ohne eine solche Doppelunterstellung leicht möglich, denn es steht jedem Jäger frei, sich an der Realisierung des sächsischen Managementplans, der den Umgang mit dem Wolf umfassend regelt, zu beteiligen.“

Bernd Heinitz: „Mit diesem 2007 verabschiedeten Managementplan Wolf hat der Freistaat Sachsen eine bundesweite Vorreiterrolle im Wolfschutz übernommen, der er auch mit einem zeitgemäßen Jagdgesetz entsprechen sollte. Wir hoffen, dass die bei uns eingegangenen Unterschriften unserer Position Nachdruck verleihen. Und wir wünschen uns, dass die Chance, ein modernes, zukunftsweisendes Jagdgesetz zu verabschieden, genutzt wird. In einem solchen Gesetz haben europaweit geschützte Tierarten nichts zu suchen.“




Das könnte sie auch interessieren!

Der NABU ist der Überzeugung, dass die Entscheidung zur Entnahme eines Wolfes durch das Landratsamt Bautzen und das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft im Widerspruch zur Rechtslage des Bundesnaturschutzgesetzes (BnatSchg) steht (§45). Deshalb erwägen wir derzeit, den Rechtsweg zur Klärung der juristischen und sachlichen Zulässigkeit in diesem Fall zu beschreiten. Eine Strafanzeige gegen die Person des Umweltministers und des Landrates, wie sie von anderen Personen offenbar eingereicht wurde, ist nach der gegenwärtigen Einschätzung des NABU nicht zielführend, um Rechtsverstöße im Rahmen des BnatSchg zeitnah klären zu können. ...mehr

NABU Sachsen: Kritik an Genehmigung des SMUL zum Abschuss eines Wolfes

Wolfstötung ist völlig ungeeignetes Mittel zum Schutz von Nutztieren

Wie das sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft am Freitag, dem 27.10.2017 mitteilte, ermöglicht es dem Landratsamt Bautzen die Entnahme eines Wolfes aus dem Rudel Rosenthal. Damit kann ein Tier dieser Wolfsfamilie erschossen werden. Der NABU kritisiert die Entscheidung als fachlich unbegründet sowie rechtlich nicht haltbar. Zudem liegt keine fachliche Einschätzung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) vor. In diesem von den Bundesländern selber geforderten Zentrum beurteilen die führenden Wolfsexperten Deutschlands u. a. nötige Eingriffe in den Wolfsbestand. ...mehr

Heulen Wölfe bald rund um Bischofswerda?

NABU-Bischofswerda und Kontaktbüro-Wölfe in Sachsen laden zur Infoveranstaltung

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Integration des Wolfes in unsere Natur. Die neu gegründete Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland in Bischofswerda (NABU-BIW) hat daher das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ aus Rietschen eingeladen um mehr Informationen über die letzten Jahre mit den Wölfen in der Oberlausitz und speziell im Raum Bischofswerda zu erhalten. ...mehr

NABU Sachsen | Impressum | Verwendete Literatur



©(2015) NABU-Landesverband Sachsen

StartseiteAktuellesSituation in SachsenWolf und JagdrechtWolf und MenschPolitische Arbeit
Positionspapiere

Publikationen
Infomaterial
Der Wolf macht Schule
Newsletter Wolf