Wer keine Argumente hat, wählt die unsachliche Polemik

NABU Sachsen: Der streng geschützte Wolf hat in einem Gesetz, das die Jagd regelt, nichts zu suchen

Mit Befremden reagiert der NABU Sachsen auf die am Samstag (30.7.) in der Leipziger Volkszeitung zitierten Bemerkungen von Knut Falkenberg, Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen, zur Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz und zur Arbeit des NABU Sachsen. „In höchst unsachlicher Weise kommentiert Herr Falkenberg unsere als Zeichen des Protestes zu interpretierende Ankündigung, uns aus der Finanzierung des Wolftages zurückzuziehen, und kehrt dabei die über mehr als zehn Jahre erbrachten Leistungen des NABU im Wolfsschutz unter den Tisch“, so Bernd Heinitz, Vorsitzender des NABU Sachsen.

Von zwei wissenschaftlichen Tagungen, in die der NABU auch den Landesjagdverband eingebunden hat, über umfangreiche Veröffentlichungen, die Ausbildung von Wolfsbetreuern, die Arbeit der AG Pro Wolf, die Tätigkeit des NABU-Wolfsexperten vor Ort bis hin zur finanziellen Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz und zur Mitwirkung an nunmehr fünf Wolfstagen usw. hat der NABU Beachtliches vorzuweisen. Hingegen hört man seitens des Jagdverbandes vor allem die Forderung nach Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Dabei sagt Knut Falkenberg selbst, dass eine Bejagung derzeit nicht zur Debatte steht, begründet aber nicht, weshalb die streng geschützte Tierart dennoch einem Gesetz unterstellt werden sollte, dessen alleiniger Zweck in der Regelung der Jagd besteht. Er behauptet, dass für den Schutz des Wolfes das Jagdrecht die besten Voraussetzungen biete, ohne dies zu belegen. Er kommt sogar zu der fragwürdigen Aussage: „Wir hätten keine Wolfspopulation, wenn die sächsischen Jäger in der Vergangenheit nicht verantwortungsvoll und diszipliniert gehandelt hätten.“

Bernd Heinitz: „Ich bin geneigt, diese letzte Behauptung als eine unfreiwillige Selbstentlarvung zu verstehen. Denn sie kann doch eigentlich nur heißen: Die Anwesenheit der Wölfe in Sachsen ist dem Umstand zu danken, dass diese Wölfe von den sächsischen Jägern nicht erschossen worden sind. Mit anderen Worten: Herr Falkenberg hält die doch wohl selbstverständliche Respektierung der (Naturschutz-)Gesetze für ein besonderes Verdienst der Jäger. In diesem Zusammenhang sollte daran erinnert werden, dass es seitens einiger Jäger auch schon einen ganz klaren Antrag auf Abschuss der Wölfe gegeben hat; das hat keinen vertrauenerweckenden Eindruck gemacht.

Der Wolfsschutz brauche verlässliche Partner, hat Herr Falkenberg gesagt, und da gebe ich ihm vollkommen Recht. Für ein solches partnerschaftliches Vorgehen bieten die vorhandenen Gesetze und insbesondere der Managementplan der Staatsregierung eine ausgezeichnete und völlig ausreichende Voraussetzung. Der Landesjagdverband, dem es von Anfang an freistand, sich an diesem Wolfsmanagement zu beteiligen, sollte endlich einmal davon sprechen, wie er sich seine Mitwirkung konkret vorstellt, anstatt unsachlich gegen Naturschützer zu polemisieren. Eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht wäre, wie mehrfach – und nicht nur vom NABU – nachvollziehbar begründet wurde, vollkommen kontraproduktiv und entspräche im Übrigen auch nicht dem Wunsch sämtlicher sächsischen Jäger. Würde Sachsens Umweltminister Frank Kupfer den Wolf ohne Notwendigkeit und gegen den begründeten Rat zahlreicher verbandsunabhängiger Fachleute ins Jagdrecht aufnehmen, wäre das ein Schlag gegen sein eigenes Wolfsmanagement und gegen die bislang gute Zusammenarbeit der Landesregierung mit den Verbänden.“




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