NABU Sachsen fordert: Minister Kupfer muss auf das Vorhaben, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, verzichten!

Sachsen braucht ein zeitgemäßes Jagdgesetz

Der NABU Sachsen wertet das Ergebnis der am 10. Juni durchgeführten Landtags-Anhörung als einen Erfolg für den Naturschutz. Diese widmete sich der vom Landesjagdverband Sachsen geforderten und von der Staatsregierung geplanten Aufnahme des Wolfes ins sächsische Jagdgesetz.
Dazu Bernd Heinitz, Vorsitzender des NABU Sachsen: „Die Experten-Anhörung hat unseren vielfach publizierten Standpunkt zu dieser Frage wie auch die kritischen Meinungen anderer Verbände und vieler Einzelpersonen als vollkommen richtig bestätigt. Wir sind davon überzeugt, dass die Staatsregierung die Flut der vorgetragenen überzeugenden Argumente gegen eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz nicht einfach ignorieren und dem Wunsch der Jägerschaft folgen kann, ohne dem Naturschutz und dem Ansehen des Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) erheblich zu schaden.“

Der jetzige Schutzstatus des Wolfes, durch europäisches und Bundes-Artenschutzrecht einheitlich festgelegt, ist nach Ansicht des NABU klar und eindeutig. Eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz hätte lediglich Rechtsunsicherheit, Kompetenzgerangel und damit unnötige Konflikte und eine Bürokratisierung des Artenschutzes zur Folge. Weder dem Wolf noch der Zusammenarbeit von Jägern und Naturschützern wäre auch nur im Geringsten gedient. Das bedeutet nicht, dass kein Handlungsbedarf besteht.

Eine Mitwirkung der sächsischen Jägerschaft am Schutz des Wolfes wird vom NABU Sachsen ausdrücklich begrüßt, denn der Landesjagdverband Sachsen hat den Status eines anerkannten Naturschutzvereins und ist daher verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz des Wolfes aktiv zu unterstützen. Er sollte sich deshalb dazu äußern, ob und auf welche Weise er sich konkret in den Wolfsschutz einbringen will. Der demokratisch erarbeitete Managementplan des SMUL bietet dafür eine ausgezeichnete und völlig ausreichende Grundlage. Darüber hinaus wäre es wünschenswert, ein gemeinsames deutschpolnisches Management anzustreben. Das würde auch den rechtlichen Vorgaben der EU zum grenzüberschreitenden Artenschutz entsprechen.

Die sächsische Wolfspopulation mit ihrer derzeitigen Größe ist von dem seitens der EU geforderten guten Erhaltungszustand noch weit entfernt, eine Bejagung daher völlig indiskutabel, eine zusätzliche jagdrechtliche Regelung überflüssig. Ohnehin enthält die uralte Liste der dem Jagdrecht unterliegenden Tierarten zahlreiche Tierarten, die inzwischen streng geschützt sind und nicht gejagt werden dürfen (wie beispielsweise Fischotter, Rebhuhn oder Seeadler); sie müsste deshalb dringend bereinigt werden.

Bernd Heinitz: „Die Diskussion um ein verändertes Jagdgesetz darf sich also nicht auf die Frage beschränken, ob nun auch noch der Wolf in diese antiquierte Liste aufgenommen werden soll oder nicht. Sie muss Grundsatzfragen der modernen Jagd in den Mittelpunkt rücken und die Rolle der Jagd innerhalb eines umfassenden Wildtiermanagements definieren.
Der Freistaat Sachsen hat mit seinem Managementplan Wolf eine bundesweite Vorreiterrolle im Wolfschutz übernommen, der er auch mit einem zeitgemäßen Jagdgesetz entsprechen sollte. Das Vorhaben, den streng geschützten Wolf dem Jagdrecht zu unterstellen, muss aufgegeben werden.“




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