Politisch motivierte Wolf-Abschussfreigabe?

Umweltverbände kritisieren das sächsische Umweltministerium aufs Schärfste

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben am 20. Januar 2017 die Umweltverbände IFAW, NABU und WWF einhellig und aufs Schärfste den angekündigten Wolfs-Abschuss in Sachsen kritisiert. Sie sprechen von einer „politisch motivierten“ Entscheidung, der es an jeder naturschutzfachlichen Grundlage mangelt. Das zuständige Umweltministerium in Dresden hatte die Abschussfreigabe ohne Vorwarnung am späten Nachmittag des 19.01.2017 bekannt gegeben. Das Landratsamt Görlitz erteilte für die offiziell als "Entnahme" bezeichnete Aktion eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung. Der Abschuss wurde offenbar bereits beauftragt. Die Umweltverbände prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen die Abschussfreigabe.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

„Uns liegen derzeit keine Hinweise vor, dass der Wolfsrüde eine akute Gefahr für den Menschen darstellt. Auch wurden offenbar die Experten der extra dafür eingerichteten Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) nicht angehört. Die Einschätzung der in Deutschland führenden Wolfsforscher vom LUPUS Institut in Sachsen wurde sogar offensichtlich bewusst ignoriert.

Das intransparente Informationsgebaren der sächsischen Behörden legt nahe, dass hier eine politisch motivierte Abschussfreigabe erteilt wurde. Anders als im Fall des niedersächsischen Wolfsrüden MT6, der 2016 nach erfolglosen Vergrämungsversuchen abgeschossen wurde, können IFAW, NABU und WWF die aktuelle Entscheidung in Sachsen nicht mittragen. Es wurde keine Entscheidung im Sinne des Artenschutzes getroffen. Eine naturschutzfachliche Grundlage können wir nicht erkennen. Dementsprechend prüfen wir derzeit juristische Schritte gegen die Entscheidung und das Vorgehen der zuständigen Behörden in Sachsen.

Der Wolf ist eine in Deutschland streng geschützte Tierart. Jedes potentiell kritische Verhalten muss gesondert bewertet werden. Richtschnur und Leitlinie hierfür muss ein entsprechender Wolfs-Managementplan sein, der von den einzelnen Bundesländern im Vorfeld erarbeitet wurde. Die Einschätzung von Konfliktfällen beruht dabei auf einer Veröffentlichung des Bundesamtes für Naturschutz zum Umgang mit Wölfen in Deutschland. Für die Beratung der Länder im Umgang mit Wölfen wurde beim Bundesumweltministerium mit dem DBBW extra ein Expertengremium eingerichtet. Dieses jetzt nicht einmal anzuhören stellt für uns Naturschutzverbände, die wir uns um eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zum Wolf bemühen, einen eklatanten Vertrauensbruch dar.

Wirklich auffällige oder problematische Wölfe, wie es etwa bei MT6 der Fall war, können jederzeit entnommen werden. Dafür reichen die Ausnahmeregelungen des Bundesnaturschutzgesetzes bereits völlig aus.“

Pressekontakt

Roland Gramling, Pressestelle WWF, Tel.: 030-311 777 425, roland.gramling@wwf.de

Kathrin Klinkusch, Pressestelle NABU, Tel. 030-284984 1510, kathrin.klinkusch@nabu.de

Robert Kless, IFAW, rkless@ifaw.org



Von sinnvollem Wolfs-Management nichts zu spüren
NABU Sachsen kritisiert Handlungsweise des SMUL

Von Anfang an, seit der Rückkehr des Wolfes nach Sachsen, hat sich der NABU Sachsen für den Wolf stark gemacht. Schon 2004 gründete er die Arbeitsgruppe Pro Wolf, um zu informieren und zu koordinieren und Sachlichkeit in der Debatte um den Wolf zu fördern. Zwei vom NABU Sachsen organisierte Fachtagungen in der Lausitz waren dem Erfahrungsaustausch von Experten gewidmet. Mehrere Publikationen folgten. Im Vordergrund stand immer der Schutz des Wolfes und seiner Lebensräume. So auch bei Veranstaltungen der NABU-Gruppen und sächsischen Wolfsbotschafter, in denen regelmäßig und sachlich über den Wolf informiert wird.

Da verwundert es umso mehr, dass das SMUL am 19. Januar 2017 die Entscheidung zum Abschuss einen „Problemwolfes“ veröffentlichte. Unangekündigt, voreilig und von mangelnder Transparenz, so beurteilt der NABU Sachsen die Handlungsweise. Im Vorfeld waren weder das Wildbiologische Büro LUPUS noch das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz noch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) noch der NABU Sachsen nach ihrer fachlichen Meinung befragt worden. Ein gefährlicher und nicht zu akzeptierender Schnellschuss! Wer hat die Entscheidung getroffen, wenn kompetente Experten gar nicht gefragt wurden?

Der NABU Sachsen fordert das SMUL auf, die Genehmigung zum Abschuss des Wolfes sofort zurückzuziehen. Der Wolf steht unter gesetzlichem Schutz! Weitere Maßnahmen müssen mit den sächsischen Experten abgestimmt werden, deren Meinung bisher keine Beachtung fand.




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