NABU Sachsen zur Forderung von Bundesagrarminister Christian Schmidt nach „beschränkter Abschussfreigabe

13. Januar 2017: Der NABU Sachsen fordert von dem für die Jagd und die Nutztierhaltung zuständigen Bundesagrarminister Christian Schmidt ein klares Bekenntnis zum Schutz des Wolfes. Die in den vergangenen Wochen von Politikern der CDU/CSU und verschiedenen Interessenverbänden der Nutztierhalter und Jäger geführte öffentliche Debatte zur Aufweichung des Schutzstatus von Wölfen ist unnötig, denn der Wolf ist nach nationalem und internationalem Recht streng geschützt. Auch Minister Schmidt weiß, dass es derzeit überhaupt keine Abschussquote geben kann. Die von ihm angeschobene Debatte geht in die falsche Richtung. Der Wolf gehört zu Sachsen und zu Deutschland, und er hat hierzulande noch lange keinen ausreichend stabilen Bestand erreicht.

Obwohl die Zuwachsraten der Wolfspopulation in Deutschland von manchem derzeit als hoch empfunden würden, sind die Wachstumsraten aus biologischer Sicht vollkommen normal. Auch ohne Eingriffe würden sie wieder abflachen. Allein in den Jahren 2015/2016 kamen in Sachsen 15 Wölfe um Leben, 7 durch Verkehrsunfälle. Derzeit gibt es in Sachsen 15 Rudel und 19 bestätigte Wolfsterritorien, deutschlandweit sind es insgesamt 46 Rudel.

Mit Blick auf die vielfach diskutierten Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere sieht der NABU Sachsen durchaus den Konflikt mit Nutztierhaltern und nimmt deren Bedenken bei der Rückkehr der Wölfe ernst. In möglichen Abschüssen sieht er jedoch keine Lösung. Bei Übergriffen stellte der NABU fest, dass es fast immer zu Fehlern beim Schutz der Herden kam. Es wäre falsch, den Landwirten jetzt vorzugaukeln, mit dem Abschuss eines einzelnen Wolfes sei ihnen geholfen. Der Rest des Rudels wird dadurch keine Angst vor Weidetieren bekommen. Die Tötung eines Wolfes ist ein völlig ungeeignetes Mittel zum Schutz von Nutztieren. Stattdessen ist es wichtig, die Tierhalter stärker beim Schutz ihrer Herden, die im Freien weiden, beispielsweise durch spezielle Zäune und Herdenschutzhunde, zu unterstützen und diese Maßnahmen ausreichend zu finanzieren.

Sachsen hat bereits, vorbildhaft für andere Bundesländer, in seinem „Managementplan für den Wolf“ Regelungen für ein konfliktarmes Miteinander von Wolf und Mensch getroffen. Anteilig wird die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen übernommen. Tiere, die aggressiv gegenüber Menschen auftreten und wiederholt und trotz Schutzmaßnahmen Nutztiere reißen, können in Ausnahmefällen vergrämt oder aus der Natur entnommen werden.

Es ist jetzt an der Zeit, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium und damit Herr Schmidt möglichst rasch ein „Kompetenzzentrum für den Herdenschutz“ aufbaut, ähnlich der „Zentralen Dokumentations- und Beratungsstelle für den Wolf“, die das Bundesumweltministerium schon vor einem Jahr einrichtete.

Im Vordergrund sollte nicht die Frage stehen, ob sondern wie wir mit dem Wolf leben können! Eine Debatte über Obergrenzen bei Wolfsbeständen und zur Aufweichung des hohen Schutzstatus des Wolfes ist fehl am Platz. Es gilt, Akzeptanz für das Zusammenleben von Wolf, Mensch und Weidetieren zu schaffen.




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