NABU zieht gemischte Bilanz zum Tag des Wolfes

Bestandsentwicklung erfreulich, Management nicht ausreichend

Zum Tag des Wolfes am 30. April 2016 hat der NABU eine gemischte Bilanz zur Situation frei lebender Wölfe in Deutschland gezogen. Die Bestandsentwicklung mit aktuell 40 Wolfsfamilien bundesweit sei erfreulich, das Wolfs-Management noch nicht ausreichend. Hauptrisiko Nummer Eins für den Wolf ist nach wie vor der Straßenverkehr. Für eine dauerhafte erfolgreiche Rückkehr des Wildtieres nach Deutschland sei nach wie vor die gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend. Insgesamt ist die allgemeine Zustimmung zur Rückkehr der Wölfe hoch. Illegale Abschüsse bleiben ein Problem. Wolfsreichstes Bundesland ist Sachsen mit zwölf, dicht gefolgt von Brandenburg mit elf Wolfsfamilien. In Niedersachsen leben aktuell neun, in Sachsen-Anhalt sechs und in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wolfsrudel. In den vergangenen fünfzehn Jahren konnten aber auch Wölfe in allen anderen Flächen-Bundesländern nachgewiesen werden – durch Fotofallen, DNA-Hinweise nach Nutztierrissen oder durch Totfunde. Der Straßenverkehr ist die häufigste nicht natürliche Todesursache bei Wölfen seit ihrer Rückkehr im Jahr 2000. Insgesamt starben 95 Tiere einen Verkehrstod. An der Spitze liegt hierbei Brandenburg mit 42 Tieren. Bei den illegalen Abschüssen belegt das Land Sachsen den traurigen ersten Platz – allerdings ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer illegal getöteter Wölfe bundesweit deutlich höher ist, als es die offiziellen Zahlen darstellen.

„Wir freuen uns über die positive Entwicklung bei der Zahl der Wolfsfamilien. Die große Herausforderung sehen wir bei der Nachbarschaft von Mensch und Wildtier. Die dauerhafte Rückkehr des Wolfs ist nur mit der breiten Akzeptanz der Bevölkerung möglich. In unserer Landschaft kommt der Wolf gut zurecht, weil er ein ausreichendes Nahrungsangebot findet“, sagte NABU-Wolfsexperte Markus Bathen. Doch nach wie vor seien einige Bundesländer im Wolfsmanagement nicht ausreichend auf die Rückkehr der Wölfe eingestellt. „Wir haben immer noch zu viele Konflikte beim Herdenschutz. Nutztierhalter werden nicht ausreichend beim Schutz ihrer Herden unterstützt“, so Bathen weiter. Aus NABU-Sicht besteht großes Interesse mit den Schäfern gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

In dieser Woche wurde in Niedersachsen erstmals ein Wolf aufgrund einer Ministeriumsentscheidung erschossen. Das Tier hatte sich wiederholt Menschen mit Hunden genähert und nach Experteneinschätzung ein generell unberechenbares Verhalten gezeigt. Der NABU hatte gemeinsam mit anderen Umweltverbänden den Tod des Tieres bedauert, konnte die Entscheidung aber nachvollziehen, da das Tier durch sein auffälliges Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko für den Menschen dargestellt habe. Für den NABU sei der gesamte Prozess des Monitorings und der Vergrämung des Wolfes "MT6" unbefriedigend verlaufen, weil das konzentrierte Monitoring selbst zu spät begonnen habe und die Vergrämungsphase viel zu kurz und nicht unter Ausschöpfung der zur Verfügung stehenden Mittel gelaufen sei. Auch sei nicht ausreichend untersucht worden, was zu dem auffälligen Verhalten des Tieres geführt habe. Ziel muss es sein, dass sich solch ein Verhalten nicht wiederholt.

Nach Experteneinschätzung ist die wahrscheinlichste Ursache für die auffällige Verhaltensveränderung des Wolfes die Fütterung durch Menschen. „Wir müssen den Umgang mit Wildtieren erst wieder lernen. Der tragische Tod des Wolfes aus dem Munsteraner Rudel macht deutlich, dass beispielsweise Fütterungen oder zurückgelassene Speisereste Wildtieren nicht helfen, sondern im Gegenteil, ihnen schaden“, so Bathen. Der NABU fordert eine unabhängige wissenschaftliche Kommission, die Kriterien für eine gute Praxis von Monitoring, Vergrämung und Entnahme erarbeitet und die Einhaltung dieser Kriterien auch überprüft. Diese Kommission muss auf Bundesebene angesiedelt werden, damit nicht jedes Bundesland Insellösungen entwickelt.

Jeweils am 30. April endet das offizielle Wolfsjahr, bei dem durch das Monitoring alle wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, um Erkenntnisse über das Leben freilebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. Daher hat der NABU 2013 den „Tag des Wolfes“ initiiert. Online ist ein neues NABU-Wolfs-Quiz zu finden, mit dem Nutzer per Smartphone oder PC ihr Wissen über freilebende Wölfe mit zehn multimedialen Fragen überprüfen können: Von „Was frisst der Wolf“ bis zu „Was ist eigentlich die Ranzzeit?“ Zu finden unter www.NABU.de/wolfsquiz

Für Rückfragen:
Markus Bathen, NABU-Wolfsexperte
E-Mail: Markus.Bathen@NABU.de




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